Freitag, 10. September 2010
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„Drink doch eine met …“ Ein kühles Kölsch – ein Genuss besonderer Art PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dr. Helmut Meyer   

Uralte Kölsch-ReklameKommen Sie aus Bayern, so werden Sie über unser  lästern: „Bier aus Reagenzgläsern!“ Wir kennen diese Lästersprüche. (Klar, die zylindrische 0,2-Stange sieht man nicht auf dem rüden Oktoberfest.) „Limonade!“ (Natürlich ist unser Kölsch mit 4,8 – 5,2 % Alkoholgehalt kein Starkbier wie der Andechser Doppelbock.) Unser Kölsch ist eben ein Bier urbaner Geselligkeit, und das „Drink doch eine met“ der Bläck Fööss signalisiert nicht Besäufnis einer Clique, sondern dass auch jeder auswärtige Gast, selbst wenn sein Portemonnaie mal leer sein sollte, sich hier in einer Runde schnell zu Hause fühlen kann.
Für die Römer war das germanische Met-Getränk – eine Art Vorläufer des Biers – allerdings, im Vergleich mit dem Wein, den sie vom Süden zu uns brachten, das „Getränk der Barbaren“. Bier und Wein rangieren auch heute noch nebeneinander – wie könnte es im Rheinland, wo sich Wein auf Rhein reimt, anders sein? –, und zwar, wie durch die Jahrhunderte, noch immer mit einer bestimmten Höherrangigkeit des Weins.
Aber das Bier hat, vom mittelalterlichen Gruit- oder Kräuterbier und dem späteren Keutebier über die Verwendung des Hopfens bis heute mächtig aufgeholt. (Übrigens: Das bayrische Reinheitsgebot datiert von 1516, das Kölner bereits von 1412.) Als man dann um 1980 in Bonn und Trier aber ebenfalls ein Kölsch zu brauen wagte, kam es zu einer Herkunftsklage, die 1985 zur Kölsch-Konvention führte. Kölsch darf fortan nur genannt werden, was in Köln und seit eh in der näheren Umgebung gebraut wird. Die Bezeichnung Kölsch, verbunden mit bestimmten Qualitätsstandards, genießt seitdem einen regionalen Markenschutz, der auch in die EU-Gesetzgebung einging.


Aber was ist nun, bei aller Vielfalt der Marken, das „Kölsch“ an sich? Zunächst ist es,   ursprünglich regional-klimatisch bedingt, ein obergäriges Bier; dazu ist es  hell (gegenüber dem dunklen Düsseldorfer Alt); und es ist ein hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes, also klar filtriertes Vollbier. Wenn nun der Köbes die schön gekühlte, obligatorische Stange  aus seinem Kranz nimmt und vor Sie auf den Deckel oder Bierfilz setzt – der erste Schluck ist immer der beste.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Zahl der Kölsch-Brauereien kontinuierlich geschrumpft. Doch neben knapp zwei Dutzend selbständigen Großbrauereien, die sich in der Kölsch-Konvention zusammenschlossen – voran Reisdorf, Gaffel und Früh, gefolgt von Sion, Päffgen, Sünner, Gilden, Mühlenkölsch  u.a. – gibt es immer noch bzw. immer wieder kleinere Hausbrauereien, oft nur dem Kölner im Veedel bekannt. Und – jedes Kölsch hat sein eigenes Gesicht, seinen eigenen Charakter.
Testen Sie es selbst auf einer Brauhauswanderung, auf der normalerweise drei Gaststätten besucht werden. Aber wählen Sie als Zeitpunkt möglichst nicht gerade den Freitag- oder Samstagabend. Und vielleicht sind Sie sogar bereit, statt der dann überlaufenen Altstadt
500 m weiter nach Norden auszuweichen, in das Eigelstein-Viertel, wo auch die – leider nicht zu besichtigende – Gaffel-Brauerei zu Hause ist und wo vielleicht im 12. Jahrhundert auch die erste Kölner gewerbliche Brauerei eröffnet wurde, nur wenige Jahre nach dem Eintreffen der Gebeine der Heiligen Drei Könige in Köln.
Touristen sind durstig, aber die Pilger waren es auch schon.

 

Ihr Stadtstreicher
Dr. Helmut Meyer

“Jetz kütt alles op et Tapeet.”

 

 


Dr. Helmut Meyer - Stadtstreicher Stadtfuehrer KoelnÜber den Author:

 

Dr. Helmut Meyer studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Viele Jahre arbeitete er als Dozent an der Universität zu Köln, zuletzt in Russland und China. Er ist in Köln geboren und bringt seit Jahren als „Stadtstreicher“ mit ganzem Herzen und mit kölscher Ader den Touristen und Einheimischen die Stadt und die Mentalität ihrer Menschen nah. Sein reiches Themenangebot an Stadtführungen finden Sie unter www.stadtstreicher-stadtfuehrungen.de.

 

 

 

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